Prämierte Tischkultur

Die Kulturstiftung des Hauses Hessen lobte in diesem Jahr anlässlich des Rundgangs der Hochschule für Gestaltung (HfG) Offenbach am Main erstmalig einen Preis zum Thema „Tischkultur“ aus. Die offizielle Preisverleihung fand im Isenburger Schloss am 6. Juli statt. Das Schloss gehört seit dem Jahr 2000 zur HfG und gilt als eine der schönsten profanen Renaissancearchitekturen nördlich der Alpen.

 

In diesem ehrwürdigen Rahmen wurden nach einer kurzen Begrüßung durch den Präsidenten der HfG, Prof. Bernd Kracke, insgesamt elf Preise verliehen. Den Preis der Kulturstiftung des Hauses Hessen überreichte der Direktor von Schloss Fasanerie Dr. Markus Miller, der in Vertretung von Floria Landgräfin von Hessen selbst Jury-Mitglied war. Zusammen mit der Diplom-Designerin Sybille Fleckenstein, Alumna der HfG, begutachtete und bewertete er insgesamt 22 eingereichte Arbeiten.

 

„Die Entscheidung fiel uns nicht leicht“, berichtete Dr. Miller. „Aus diesem Grund haben wir uns dazu entschieden, insgesamt vier Studierende zu prämieren.“ Den ersten Preis, mit insgesamt 2.000 Euro dotiert, teilen sich zwei Studentinnen. Tania Felskes „Platzdeckchen mit Tischmanieren“ konnten die Jury aufgrund des hohen Anspruchs an Ästhetik und Grafik überzeugen. „Mit pädagogischer Absicht werden hier die Tischmanieren nach Knigge kommuniziert“, erläutert der Juror die Arbeit. Die Tischdecke „Timetravelling“ von Leonie Kunkel, ein interaktives Rollenspiel, war die zweite Arbeit, die den Hauptpreis erhielt. Die Studentin thematisiert in ihrer Arbeit die Geschichte der Alltagskultur und lädt zum Nachspielen ebenjener ein.

  

 

Zudem wurden zwei lobende Erwähnungen ausgesprochen, die jeweils mit 200 Euro anerkannt wurden. Zum einen an Mary Manalo für ihre Kanne „Double Shot“. Diese ermöglicht es, gleichzeitig zwei Gläser zu befüllen. „Falls man in die Verlegenheit kommt, und nicht weiß, welche Dame älter ist und aus diesem Grund zuerst eingeschenkt bekommen sollte“, erläuterte Schloss-Direktor Dr. Miller mit einem Schmunzeln das prämierte Objekt. Zum anderen wurde Marie Sophie Leicht eine lobende Anerkennung zuteil. Ihre Arbeit „Ohne Titel“ zeigt Teile von Tieren, die verspeist werden, z. B. um die Potenz zu steigern. So präsentiert sie u. a. ein Affenhirn und Stierhoden aus Keramik.

  

 

Die prämierten Arbeiten sind im Rahmen des HfG-Rundgangs noch bis zum morgigen Sonntag an sechs verschiedenen Ausstellungsorten der HfG in Offenbach zu sehen. Außerdem werden sie bei FEINWERK – Markt für echte Dinge im Oktober auf Schloss Fasanerie in Eichenzell präsentiert.

 

Die Kulturstiftung des Hauses Hessen, die in Schloss Fasanerie eine der größten privaten Prozellansammlungen Deutschlands beherbergt und herausragende Exponate der Tischkultur besitzt, freut sich sehr über die Zusammenarbeit mit der hessischen Kunsthochschule. Die Organisationsleiterin von FEINWERK, Anja Heil, ist begeistert von der Kreativität der Studierenden: „Dass die Tischkultur so vielfältig interpretiert wurde, freut mich sehr. Und auch dass die erfolgreiche Zusammenarbeit mit der HfG, die gleich zur Premiere von FEINWERK ins Leben gerufen wurde, fortgeführt – ja intensiviert – wurde, bestärkt uns in dem konzeptionellen Ansatz des Markts für echte Dinge.“

 

Der Rundgang der HfG ist der Höhepunkt eines jeden Studienjahres. Er findet jährlich mit Abschluss des Sommersemesters im Juli statt. Drei Tage lang können sich die Besucher über die künstlerische und gestalterische Arbeit aus den Bereichen Kunst, Kommunikationsdesign, Medien, Bühnenbild und Produktgestaltung informieren und so Einblicke in die Ausbildung der HfG und in künstlerische Prozesse erhalten, wie sie während des laufenden Lehrbetriebs nicht möglich sind. Ein Besuch lohnt auf alle Fälle und ist noch bis zum 8. Juli, 20 Uhr, möglich. Weitere Informationen zum Rundgang finden Sie unter www.hfg-offenbach.de.